prinz vom märz 2010

Von Matthias Koth-Markgraf

Von Landpartien und Soulmusik

Möbel der Fünfziger und Sechziger haben irgendwo zwischen Charles Eames und „Möbel Höffner“ ihre Bedeutung verloren. Fünf Männer aus dem Club „Stereo“ holen nicht nur Nierentischchen und Sofas zurück, sondern gleichzeitig Kneipenkultur und altes Vinyl. In einer Bar, die es nur einmal gibt.
Den Tisch haben wir aus einem Rot-Kreuz-Laden im Umland geholt,“ erinnert sich Heiko Preischl (31) an eine von zahllosen Landpartien, die nötig waren, um Nürnbergs neueste Bar „Mono“ komplett auszustatten. Zunächst brauchte es fünf Männer. Neben Heiko vor allem Wolfgang Dengler (35), der stil- und maßgebend war, Markus Fromm (40), Musikproduzent und DJ Martin Kaiser (40) und den jazzstudierten David Lohdi (35). Alle fünf verbindet vor allem die Liebe zum Klang der Sechziger, die Liebe zur Musik im allgemeinen und insbesondere die Liebe zu Produkten aus ihrer Heimat.
Da wäre zum ersten das Bier. Auf die Frage, ob es nicht gerade „unsere“ Generation war, die „Beck’s“ einst zur Ultima Ratio erklärte, kontert Heiko souverän: „Wir machen das wieder gut. Indem wir zu Fuß durch Franken wandern und neben großartigen Bieren auch Edelbrände für unsere Bar entdecken.“ Für 13,90 Euro gibt es ein Tragerl mit sechs verschiedenen davon. Gin wird in fünf diversen Sorten ausgeschenkt. Das Bierangebot soll sich von Zeit zu Zeit ändern, fränkischenWein gibt es aus dem Bocksbeutel. Das historische Wirtshaus wurde teilweise mit dem Stechbeitel entkernt, nur eine holzvertäfelte Wand blieb bestehen.
Der Lage zwischen den drei besten Plattenläden der Stadt fühlt man sich verpflichtet: Musik wird bevorzugt hinter der Bar von Hand aufgelegt. Dafür bürgen Könner wie Jool (Pumping Velvet) oder Wolfgang Dengler (Stereo,
Ex-Morph) höchstpersönlich. Wolfgang hat sogar einige seiner Original-Schallplattenhüllen für die Bar-Dekoration gestiftet. „Aber die Platten hat er rausgenommen,“ verrät Heiko. Ganz so weit reicht das Vertrauen dann doch nicht. Dabei haben die Gäste bereits am Eröffnungswochenende bewiesen, wie vorbildlich sie sind.
Das Rauchverbot wurde konsequent eingehalten. Für das Wohnzimmer im ersten Stock ( wurde spontan ein Tatort-Public-Viewing vereinbart. Und der Musikverein will die Künstlerwohnung unterm Dach für Bands mieten. Das klingt ja jetzt schon nach einem Stück heiler Welt. Wo ist der Haken?
„Nirgends, hier steckt viel gemeinschaftliche Kopf- und Handarbeit drin,“ sagt Heiko, nuckelt an seinem Landbier und kündigt an: „Bis zum Frühjahr kriegen wir den Biergarten fit und bis zur WM einen Bildschirm.“ Und gegrillt oder aufs Brot geschmiert wird im Biergarten dann auch.